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Covid-Maßnahmen 

INFORMATIONEN zu COVID-19

Liebe Freunde vom VKÖ!

Nachdem immer wieder Fragen zu unterschiedlichen Themen rund um COVID-19 auftauchen, habe ich – unter Berücksichtigung der vorhandenen, wissenschaftlichen Erkenntnisse sowie österreichischer und internationaler Empfehlungen – folgenden Leitfaden zusammengestellt.  Leider gibt es keine allgemein gültigen Empfehlungen, die immer und für jeden passen und manche Fragen kann keiner beantworten weil man es einfach nicht weiß.

Besteht ein besonderes Risiko?
Ja. Alle jene, die sich kürzlich einer Chemo- oder Strahlentherapie unterzogen haben, älter sind oder an Zusatzerkrankungen wie COPD, Diabetes oder Herzproblemen leiden, gehören jedenfalls zu einer Risikogruppe. Das Tracheostoma selbst stellt insofern ein Risiko dar, als die SARS-CoV2-Viren ungefiltert, tief in die Lunge eingesaugt werden können.

Wie kann ich mich schützen?
Grundsätzlich gelten die gleichen Empfehlungen wie für den Rest der Bevölkerung: Abstand zu anderen Menschen halten (Stichwort “Babyelephant”), Menschenansammlungen vermeiden (gilt auch für Familienfeste) und regelmäßiges Händewaschen (speziell vor Berührungen im Gesicht und Stomabereich wie zB beim Zuhalten des Stomas bei Verwendung einer Sprechprothese).

Wie schütze ich mein Tracheostoma ? Brauche ich eine Mund-Nasen-Maske ? Was soll ich verwenden?
Haupteintrittspforte ist das Tracheostoma. Dieses muss daher besonders geschützt werden. Am besten schützen spezielle virusfilternde HME-Filter mit einem Stomapflaster. Die jeweiligen Kanülen-Firmen (Atos, Fahl, …) haben geeignete Angebote und helfen gerne weiter.  Zusätzlich (!) kann ein Halstuch oder ähnliches als “Vorfilter” verwendet werden. Der HME-Filter soll jedenfalls nach Kontakt mit anderen Personen gewechselt werden. Was die Mund-Nasen-Maske betrifft, so gelangt die Luft und damit auch die Viren primär über das Stoma in den Körper. Andererseits sind Laryngektomierte ja auch vor Schnupfen, Nebenhöhlenentzündungen und normalen Halsschmerzen nicht gefeit, sodass es naheliegend ist, dass Viren auch die Nase und Rachen befallen können. Beim Sprechen oder Gähnen wird zB im Mund ein Unterdruck erzeugt, über den Viren eingesaugt werden können, die Finger sind ein weiterer Übertragungsweg und wenn irgendwer niest oder hustet können Viren auch passiv in Mund und Nase geblasen werden. Es wird daher – auch international – die zusätzliche Verwendung einer Mund-Nasen-Maske empfohlen. Dabei schützen die runden FFP2-Masken (gibt es in der Apotheke) im Unterschied zu den eckigen, chirurgischen Masken nicht nur die Mitmenschen, sondern auch einen selbst. FFP2-Masken sind daher auch für Angehörige sicherer. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes erspart zudem Diskussionen mit den Mitbürgern.

Bin ich für andere ein besonderes Risiko ?
Wenn ein Mensch mit SARS-CoV2 infiziert ist, dann werden über ein ggf. vorhandenes Tracheostoma virusbeladene Sekrettröpfchen (sogenannte Aerosole) besonders leicht verbreitet. Es gilt daher: Wer sich selbst gut schützt, schützt damit auch die anderen.

Wo mache ich einen Abstrich?
Die höchste Virusdichte ist besonders bei Menschen mit einem Tracheostoma im Trachealsekret zu erwarten (siehe oben). Es wird daher empfohlen, die Nase und das Stoma abzustreichen. Aber: Speziell bei Personen mit einer „Sprechprothese“ kann ein versehentliches Einfädeln des Abstrichtupfers im Prothesenkanal problematisch sein. Die Reizung der Luftröhre führt außerdem generell zu einem heftigen Hustenreiz und dadurch wiederum zur Verteilung von eventuell infektiösen Sekrettröpfchen. Daher mein persönlicher Rat (der zwar jetzt nicht hochoffiziell wissenschaftlich aber per Hausverstand begründet ist): Wenn sich die / der Abstreichende auskennt, dann ist die höchste Trefferquote bei einem Abstrich aus Nase und Stoma zu erwarten, wobei der Abstrich vom Stomarand bzw. von anhaftendendem Schleim zu nehmen ist. Wenn die / der Abstreichende noch nie ein Tracheostoma, geschweige denn eine “Sprechprothese” gesehen hat, würde ich – speziell bei Routinescreeningabstrichen (Massentest) – auf Nummer sicher gehen, die geringere Trefferquote in Kauf nehmen und nur Nase (oder ersatzweise Rachen) abstreichen.

Soll ich mich impfen lassen?
Ja ! Niemand kann garantieren, dass die Impfung 100% sicher ist, genauso wie niemand garantieren kann, dass eine Operation (zB eine Laryngektomie) oder eine Strahlentherapie oder eine Chemotherapie oder irgendwas 100% sicher ist. Das was wir aber sicher wissen ist, dass das Risiko an COVID—19 zu sterben, um ein VIELFACHES größer ist, als einen Impfschaden zu erleiden. Sich aus Angst vor Nebenwirkungen nicht impfen zu lassen, ist genauso, wie wenn ich aus Angst, dass der Fallschirm nicht aufgeht ohne Fallschirm aus dem Flugzeug springe.

Bezüglich (schwerer) Allergien in der Vorgeschichte gibt es momentan die Empfehlung zur Vorsicht und für alle, die gerade eine Therapie machen, die das Immunsystem dämpft (zB Krebstherapie) ist auch im Einzelfall mit dem behandelnden Zentrum Rücksprache zu halten. Alle anderen bitte ich, den Empfehlungen der Impfkommission zu folgen und das Angebot der Impfung anzunehmen.

Internationale Empfehlungen: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7262329/

Ass.Prof. Dr. Thomas J. Schmal
FA für HNO und Phoniatrie 
Ärztlicher Beirat des VKÖ

Edeltraud und Peter Maly
für den VKÖ